1. Dezember 2019

Film des Monats DEZEMBER: «The Lighthouse» von Robert Eggers

Ein surreales Kinoerlebnis, das sich im Kopf festbeisst: Als Thomas Wake und Ephraim Winslow – zwei knorrige Typen – ihren Leuchtturm-Dienst auf einer gottverlassenen Insel antreten, ahnen sie noch nicht, dass sie diese nicht mehr loslassen wird... Hier geht's zur vollständigen Kritik (Deadline). 

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Weitere Beiträge zu «The Lighthouse»: 

1) Hüter des Lichts: Zwei Männer und ein Leuchtturm, allein auf einem abgeschiedenen Eiland? Klar, die werden bald von Lustträumen heimgesucht und verlieren den Verstand – ihre Fixierung auf den leuchtenden Phallus macht sie wahnsinnig. Etwas absehbar, aber formal überwältigend, dieses patinierte Kammerspiel von Robert Eggers. Und Willem Dafoe und Robert Pattinson spielen, als hätten sie nur auf diese Rolle gewartet. (Florian Keller, WOZ)

2) A sensual, raw, often ruthless and claustrophobic cinematic experience: To avoid any confusion: there is little light in The Lighthouse. The tone is pitch dark, the screen mostly lit in differing shades of grey, and at some point during this rough, growling maritime two-hander the main characters both lose their way and their senses and, ultimately, only see red. Intricacy, bewilderment and chaos, however, are the driving force in Robert Eggers’ impressive follow up to New England ghost story The Witch, in which the director invested a lot of period details to get things just right... Hier geht's zur vollständigen Kritik (Filmexplorer).

3) Allerfeinstes Seemannsgarn: Der klaustrophobische Thriller mit Fantasy-Elementen erzählt eine archaische Geschichte in einer hoch artifiziellen Inszenierung. So eigenwillige Filme, aber starbesetzt - das gibt es so gut wie nicht mehr... Hier geht's zur vollständigen Kritik (NZZ am Sonntag).

1. November 2019

Film des Monats NOVEMBER: «Sorry We Missed You» von Ken Loach

Mit ihrem jüngsten Film sind sich Ken Loach und sein Drehbuchautor Paul Laverty treu geblieben und haben zugleich etwas Neues probiert. Alles dreht sich um die kleinen Leute in England, wie gewohnt. Aber die Probleme entstehen in der Familie, das asoziale, ausbeuterische System des Spätkapitalismus sorgt bloss dafür, dass sie nicht mehr zu bewältigen sind... Hier geht es zur vollständigen Kritik (Sennhausers Filmblog).

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Weitere Beiträge zu «Sorry We Missed You»:

Die Nöte der kleinen Familie: Ein Familiendrama, das ans Herz geht: Der britische Regisseur schlägt mit «Sorry We Missed You» neue Töne an. Hier geht's zur vollständigen Kritik (SRF Kultur).

1. Oktober 2019

Film des Monats OKTOBER: «Portrait de la jeune fille en feu» von Céline Sciamma

Dieser Film ist ein Kunstwerk: Céline Sciamma erzählt die Geschichte einer unmöglichen Liebe zwischen zwei Frauen, die, eingeengt von gesellschaftlichen Konventionen, jede Möglichkeit zur Rebellion nutzen.

Hier geht's zur vollständigen Kritik (NZZ am Sonntag).

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Weitere Beiträge zu «Portrait de la jeune fille en feu»: 

1) Was für ein Film! Marianne soll ein Portrait von Héloïse malen. Das Jahr ist 1770, Marianne, Tochter eines renommierten Malers, ist eine der ersten eigenständigen Malerinnen. Hier geht's zur vollständigen Kritik (Sennhausers Filmblog).

2) Il n’y a rien de plus beau. C’est par l’image d’une ligne noire tracée sur du papier blanc dans un mouvement à la fois ample et précis que s’ouvre «Portrait de la jeune fille en feu». Il n’est pas exagéré de dire que ce geste exprime à lui seul la poétique du nouvel opus de Céline Sciamma, tant la singularité esthétique de celui-ci tient dans la quête d’un équilibre entre rigueur de la mise en scène et éclatement du désir...  Hier geht's zur vollständigen Kritik (Filmexplorer).

1. September 2019

Film des Monats SEPTEMBER: «Diego Maradona» von Asif Kapadia

Irrwege eines Überiridischen

In manchen Momenten dieser Doku wähnt man sich in einem Mafiafilm aus Hollywood. Das ist ganz im Sinne von Regisseur Asif Kapadia. Der Oscarpreisträger lässt sich für seine Dokumentationen gerne von Spielfilmen inspirieren. So vergleicht Kapadia bei unserem Interview in Cannes all seine Kinodokus mit Genrefilmen: «Für mich ist ‹Senna› ein heroischer Actionfilm. ‹Amy› ist ein Musical – ein trauriges, gefühlsstarkes Musical. Und ‹Diego Maradona› ist wie ‹Mean Streets› von Scorsese: ein Gangsterfilm oder ein Thriller.»

Hier geht's zur vollständigen Kritik (SRF).

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Weitere Beiträge zu «Diego Maradona»

1) Aufstieg und Fall des Fussballers Diego Armando Maradona: Dokumentarfilmer Asif Kapadia arbeitet die tragischen neapolitanischen Jahre des Starfussballers Diego Maradona auf und erklärt Eric Facon, was ihn am Leben des Sportidols interessiert hat... Hier geht's zum Radiobeitrag (SRF).

2) Diego gegen Maradona: Den besten Film über Diego Maradona hat Emir Kusturica gedreht. Der serbische Regisseur und doppelte Gewinner der Goldenen Palme von Cannes sagte 2006 in seiner unbescheidenen Art: «Ich bin der beste Regisseur der Welt und porträtiere den besten Fussballer der Welt.» Der daraus resultierende Film «Maradona by Kusturica» überzeugt im Aufeinanderprallen der beiden unberechenbaren Charaktere. Maradona kam zur Premiere nach Cannes, liess sich feiern und jonglierte vor der Vorführung auf der Bühne mit dem Ball... Hier geht's zur vollständigen Kritik (Tagesanzeiger).

3) Il regista britannico Asif Kapadia trasforma la passione del passato e l'ossessione. Non racconta solo una personalità, ma fa una meditazione immersiva su di essa. Kapadia si immerge nelle materie prime del giornalismo: filmati di notizie, home video e altri media "oggettivi". Non è che non modella il materiale. I suoi film sono brillantemente montati... Hier geht's zur vollständigen Kritik (Cinemaitaliano).

1. August 2019

Film des Monats AUGUST: «Parasite» von Bong Joon-ho

Leben an den entgegengesetzten Enden der Wohlstandsgesellschaft

Die eine Familie ist arbeitslos und lebt in einer schmutzigen Kellerwohnung. Die andere ist stinkreich und bewohnt eine lichtdurchflutete Architekten-Villa. Während sich die Habenichtse mit Talent, Chuzpe und viel Psychologie in die Villa hineinwurmen, ahnen die anderen nicht einmal ansatzweise, wen sie sich da ins Nest geholt haben.

Hier geht's zur vollständigen Kritik (Sennhausers Filmblog).

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Weitere Beiträge zu «Parasite»:

1) «Eine Komödie ohne Clowns und eine Tragödie ohne Bösewichte»: Der Familie von Vater Ki-taek fehlt es nicht an praktischem Sinn: Wenn die Strasse vor ihrer Kellerwohnung gegen Insekten desinfiziert wird, lassen sie die ebenerdigen Fenster sperrangelweit offen. Zwar husten sie bald in den dichten Qualm, der sie umgibt, doch immerhin versprechen sie sich davon eine kostenlose Beseitigung des Ungeziefers, mit dem sie ihre vier heruntergekommenen Wände, irgendwo in einer unbestimmten südkoreanischen Stadt, teilen. Der schauerliche Zustand und die beengte Wohngeografie werden uns mit einem simplen erzählerischen Einfall gleich zu Anfang vor Augen geführt... Hier geht's zur vollständigen Kritik (Filmbulletin).

2) Rabenschwarze Satire über Klassenkampf und Klassenidentität: Die Parallelen zwischen «Parasite» und seinem direkten Vorgänger im Cannes-Palmarès, Hirokazu Kore-edas berührendem Drama «Shoplifters» (2018), sind nicht zu übersehen: Beide Filme handeln von mittellosen Familien, die sich mit gewieften Tricksereien eine gewisse finanzielle Sicherheit ergaunern. Doch während das bei Kore-eda auf mehr oder minder herkömmlich-kleinkriminelle Art und Weise geschieht – nämlich hauptsächlich mit Ladendiebstahl –, erinnert Bong Joon-hos unberechenbare Umsetzung dieser Ausgangslage daran, warum er mit schöner Regelmässigkeit als Enfant terrible des südkoreanischen Kinos bezeichnet wird... Hier geht's zur vollständigen Kritik (Maximumcinema).

1. Juli 2019

Film des Monats JULI: «Kursk» von Thomas Vinterberg

Fahrlässiger Untergang

Nach einer wahren Begebenheit: Diesen Satz sieht man jüngst immer häufiger im Kino, sei es im Fall der britischen Spionin «Red Joan» (mit Judi Dench), in der mazedonischen Episode «God Exists, Her Name Is Petrunya». Oder nun auch hier im Falle des Katastrophenfilms «Kursk».

Im Jahr 2000 nahm ein russisches U-Boot Kurs auf die Barentssee – eigentlich bloss zum Manöver. Die K-141-Kursk mit 118 Mann Besatzung war mit atomaren Marschflugkörpern bestückt und sank, infolge mehrerer Explosionen, ausgelöst durch einen technischen Defekt. Tatsächlich war das U-Boot, Baujahr 1990/91, ziemlich marode, worauf Besatzungsmitglieder vor der Fahrt hingewiesen hatten. Die russische Militärführung aber behauptete, die Kursk sei durch ein amerikanisches U-Boot gerammt worden. Abgesehen davon hätte man auch die Rettung der Überlebenden im Griff: 23 U-Seeleute sassen im beschädigten Teil des Bootes fest und hofften.

Ursprünglich wollte Luc Besson  («Lucy», «Le grand bleu», demnächst «Anna») den Stoff verfilmen, zog sich dann aber zurück. Regisseur Thomas Vinterberg und Drehbuchautor Robert Rodat übernahmen und stützten sich auf das Buch «A Time to Die» von Robert Moore. Sie entwickelten das Drama auf drei Ebenen: einer familiär privaten, einer menschlichen (im Boot) und einer militärisch-politischen (auf See, bzw. Land).

Anfangs wird eine Hochzeit gefeiert, die Seeleute verabschieden sich von ihren Familien und Frauen und Freudinnen…

Hier geht's zur vollständigen Kritik (Breiner Textatur).

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Weitere Beiträge zu «Kursk»:

1) Kinotipp von Alex Oberholzer für «Radio 24»

2) «Kursk» und «Tchernobyl»: Filmproduktionen über Russland in Not: Thomas Vinterberg erzählt die U-Boot-Katastrophe nach, bei der 23 Matrosen ums Leben kamen. Nach der HBO-Serie «Tchernobyl» ist das die zweite Produktion, in der westliche Regisseure sich mit Russlands Versagen beschäftigen. Hier geht's zur vollständigen Kritik («NZZ am Sonntag»).

5. Juni 2019

Film des Monats JUNI: «En liberté!» von Pierre Salvadori

Ein Missverständnis kommt selten allein

Yvonne (Adèle Haenel) fällt aus allen Wolken, als sich ihr als Held gefeierter Ehemann Louis (Damien Bonnard), der im Dienst als Polizeichef ums Leben kam, in Tat und Wahrheit als korrupt entpuppt. Und nicht nur das: Um seine Haut zu retten, hat er sogar einen Unschuldigen namens Antoine (Pio Marmaï) für acht Jahre hinter Gitter gebracht. Als der Pechvogel entlassen wird, beginnt Yvonne deshalb – selbst ausgebildete Polizistin  – mit der Überwachung von Antoine: Sie will seinen Ruf wiederherstellen und ihm den Start in den Alltag abseits vom Gefängnis erleichtern. Doch das stellt sich als schwieriger heraus, als zunächst angenommen…

Hier geht's zur vollständigen Kritik (Cineman)

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Weitere Beiträge zu «En liberté!»:

Französische Krimiheldin ermittelt: Mission turbulent (SRF)

Französische Komödien sind eher rar in unseren Kinos. Wenn es nicht gerade die «Ch’tis» betrifft oder «ziemlich beste Freunde», dann dominiert in der deutschen Schweiz doch eher das ernsthafte «Cinéma des auteurs» aus Frankreich. Aber da gibt es mit Pierre Salvadori einen Regisseur, der die Autorenkomödie pflegt. Mit seinem aktuellen Film «En liberté» ist ihm das ziemlich gut gelungen...

Hier geht's zur vollständigen Kritik

1. Mai 2019

Film des Monats MAI: «Ray & Liz» von Richard Billingham

Fotografengedächtnis gegen Sozialromantik

Ray schenkt sich sein Glas immer voll, bis knapp unter den Rand. Auch mit zitternden Händen, auch wenn er dreimal ansetzen muss, um die Plastikflasche mit dem billigen Heimgebräu leer zu kriegen. Früher hat er auch die Teetasse für seine Frau Liz genau so knapp unter den Rand gefüllt. Ihre zwei Süsswürfel hatten allerdings doch noch Platz.

Regisseur Richard Billingham ist als Fotograf berühmt geworden, mit Bildern von seinen Eltern. Nun filmt er mit der gleichen Präzision, dem gleichen messerscharfen, ungefärbten Blick, wie es war in Birmingham, in einer verwahrlosten Sozialwohnung, mit verwahrlosten, überforderten Eltern, einem Bruder und einer ebenso «dysfunktionalen» Verwandtschaft.

Hier geht's zur vollständigen Kritik (Sennhausers Filmblog).

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Weitere Beiträge zu «Ray & Liz»:

1) Interview und Besprechung von Filmexplorer (Video)

2) «Ray & Liz»: Eine schrecklich arme Familie. Armut wird im Film oft verharmlosend dargestellt. Richard Billingham tut in «Ray & Liz» das Gegenteil. Das Drama ist so roh und authentisch, dass man kaum hinsehen kann. Hier geht's zur vollständigen Kritik («NZZ am Sonntag»). 

1. Mai 2019

Neu: SVFJ - «Film des Monats»

Ab Mai 2019 wählt eine Auswahlgruppe bestehend aus Mitgliedern unseres Verbands jeden Monat einen «Film des Monats».

In die Ränge kommen Filme, die aktuell in der Schweiz im Kino laufen. Der auserkorene Film wird zu Beginn des entsprechenden Monats via Email und auf unseren Social-Media-Kanälen (Facebook, Twitter, Instagram) kommuniziert und mindestens eine Rezension dazu auf dieser Seite veröffentlicht.

Die Kritiken sind von Mitgliedern der Auswahlgruppe verfasst worden. Manche Texte sind bereits anderswo erschienen und werden hier mit Einwilligung der jeweiligen Redaktion und unter Angabe des Erscheinungsdatums im Originalmedium nochmals veröffentlicht.

Die Idee dahinter: Unser «Film des Monats» ist eine minimale Massnahme gegen die immer spärlicher werdende Filmberichterstattung. Er soll die Diskussion über die Kino- und Medienkultur in der Schweiz anregen.